Zur Geschichte der Stadt Pskow

Pskow ist die Hauptstadt der Pskower Oblast.  Die Pskower Oblast grenzt an drei Staaten – Weißrussland, Lettland und Estland.  Die Stadt befindet sich nord-westlich von Moskau und ist von der russischen Hauptstadt 689 km entfernt.  Die Stadt liegt an zwei Flüssen – die Welikaja und die Pskowa.

Pskow ist ein touristisches Zentrum im Nord-Westen Russlands, begünstigt durch die reiche historische und kulturelle Erbe der Pskower Oblast.  Auf dem Territorium  der Pskower Oblast befinden sich  372 föderale Denkmäler,  3588 örtliche Denkmäler, 475 neu festgestellte Objekte der Kulturerbe.  Viele von diesen Denkmälern  sind echte Meisterwerke der Architektur,  sie bezeugen von der Baukunst russischer Bauleute des 12. bis zum 19. Jahrhunderts.  In Pskow funktionieren 22 Museen und Ausstellungssäle, 2 Theater, 2 Konzerthallen und 16 weitere Objekte der Vergnügungsindustrie.

Touristen in die Stadt von einer so großen Bedeutung zu gewinnen helfen immer mehr kulturelle Events.   Unter andren ist die Gesamtrussische Masleniza (Fasching).  Dazu  gehört auch das große internationale Event – der 39.  Internationale Hansetag, dessen  Vorbereitung und Ausrichtung eine wichtige Aufgabe der Stadt und Region ist.

«Freistadt Pskow»

Die Gründung von Pskow wie auch vieler anderen russischen Städte  beruht sich auf Legenden.  Dabei gilt als Gründungsdatum gewöhnlich das Datum der Ersterwähnung in Chroniken.   Urkundlich in russischen Chroniken erwähnt wurde Pskow erstmalig im Jahre 903, als der  Fürst  Igor  Olga heiratete.  Der Autor der „Pskower Chroniken“ berichtet über Pskow im Zusammenhang mit ihrer Biographie, indem er feststellt, dass dem Fürsten Igor „eine Frau aus Pleskow mit dem Namen Olga“ als Ehefrau gebracht wurde.  Der voraussichtliche Geburtstort der Fürstin Olga ist das ein paar km von Pskow entfernte Dorf Wybuty.

In internationalen Verträgen von damals wurde  der  Pskower  Staat  als „Pskow“  oder „das  große  Pskow“ bezeichnet.  Das bedeutete  den Sinn des Pskower Staates, bei welchem eine bedeutende Rolle die Gemeinde und ihre Wetscheninstitutionen spielte.     Die Wetsche, eine Volksversammlung, bestehend aus freien Hausvätern und Hofbesitzern des männlichen Geschlechts, bestimmte das außen- und innenpolitische Leben von Pskow.

Im Jahre 1397 wurde auf  der Wetsche die Pskower Gerichtsurkunde – eine Gesetzsammlung  staatlicher Gesetze auf der Grundlage der Fürstenurkunden von Alexander Newski und Konstantin Dmitrijewitsch und Eintragungen der Pskower Gebühren - verabschiedet.   Die Pskower Gerichtsurkunde lag zugrunde des Rechtskodexes des russischen Staates – dem Gesetzbuch von 1497.

Militärgeschichte

Die Stadt Pskow war durch mehrere Mauern umringt.  Die erste entstand bei der Gründung der Stadt, die zweite während der Regierung des Fürsten Dowmont (Dowmont Mauer), die dritte im Jahre 1375 (Sredni gorod), die vierte im 16. Jahrhundert (Okolny gorod).  In der Zeit vom 12. bis zum 16. Jahrhundert musste Pskow mehr als 20 schwerste Belagerungen durchstehen.  Unter anderen im Jahre 1581, als Pskow durch die fünzigtausendköpfige  Armee des polnischen Königs  Stephan Batory belagert wurde.

Anschlussß an den Moskauer Staat

Kulturell, politisch und wirtschaftlich gesehen war Pskow um 1510 eine Stadt in sich, die mit anderen russischen Ländern durch politische, wirtschaftliche  und kulturelle Kontakte verbunden war.  Aber das selbständige Leben von Pskow konnte nicht ewig dauern, vor allen Dingen, durch objektive Gründe.  Das Jahr 1510 war durch die Abnahme der Wetschenglocke, den Treueid Wassili  dem Dritten und der Aussiedlung von 300 Bojarenfamilien aus Pskow gekennzeichnet.

Aber Pskow und seine Bürger hatten bedeutende Rechte in verschiedensten Bereichen und viele Zeichen aus der Zeit der Selbständigkeit behalten.   Erstens behielt Pskow seine außenpolitischen Funktionen: seine Statthalter durften wie vor 1510 Verhandlungen führen und internationale Verträge abschließen. Zweitens hatte Pskow das Selbstverwaltungssystem in der Art der Ältesten aufrechterhalten, die zu Statthaltergericht saßen und Steuern erhoben.

Pskow war eine der größten Städte des russischen Staates nach Moskau und Nowgorod.  Die Bevölkerungszahl von Pskow betrug etwa 30 Tausend Menschen und die des Pskower Landes 150 Tausend Menschen.  Die Fläche von Pskow war 215 Hektar.  Zusammen mit der nicht befestigten Vorstadt machte die Fläche von Pskow 428 Hektar aus, vergleichbar mit der Fläche der größten Städte Westeuropas, bzw. die von Paris im 16. Jahrhundert (430 Hektar).

Der Sekretär der königlichen Kanzlei,  Teilnehmer der Kriegshandlunge auf der Seite von Batory während der Belagerung von Pskow Ja. Piotrowski schrieb in sein Tagebuch über folgende Eindrücke von der Stadt: „Wir bewundern Pskow.  Gott, was für eine große Stadt!  Wie Paris!  Hilf uns, Gott, mit ihr fertig zu werden!“  

Als ein Handelszentrum Russlands an der westlichen Grenze sammelte Pskow finanzielle Ressourcen weiter an und hatte dabei Führungspositionen im Lande beim Erheben der direkten Steuern und Handelsgebühren.  Als wichtiges Zeichen der finanziellen und wirtschaftlichen Selbständigkeit hatte Pskow das  Münzprägerecht,  und  die  örtliche Münzprägung wurde zum Vorbild in  Russland.

Am Anfang des 17. Jahrhunderts musste das Pskower Land wie auch das ganze Russland die Zeit der Wirren - den ersten Bürgerkrieg - erleben. Pskow hatte die Herrschaft der polnischen und schwedischen Besetzer nicht anerkannt, und gegenwärtige Historiker stellen unsere Stadt in eine Reihe mit solchen Zentren der nationalen Befreiungsbewegung wie Rjasan' und Nishni Nowgorod.

Mit Pskow war die Verwaltungstätigkeit des Diplomaten und Wirtschaftlers Afanassi L. Ordin-Naschtschokin (1606–1680) verbunden, der als Pskower Woiwode ein kühnes Projekt der städtischen Reform vorschlug.

Das Pskower Gouvernement im 18. und 19. Jahrhundert

Durch die Eroberung des Baltikums und die Gründung von Petersburg bei Peter dem Ersten veränderte sich das Leben im Pskower  Land sehr.  Das Pskower Land verlor an der militärischen und wirtschaftlichen Priorität unter russischen Ländern.  

Das Wetter und Böden waren nicht günstig für den Getreidebau. Dafür waren die Bedingungen wie geschaffen für den Flachsanbau - die wertvollste  Kultur.  Am Ende des 19. Jahrhunderts ernteten die Pskower Ackerbauer im  Durchschnitt bis 3 Mio. Pud Flachs.  Entwickelt war auch die Viehzucht. Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Gouvernement  mehr als 1 Mio. Stück Vieh.

Das Pskower Gouvernement wurde in ganz Russland durch noch ein Gewerbe bekannt.  Das war  die Fischerei.  Die industrielle Fischerei wurde im Becken des Pskow- und Peipussees, an  Seen der Noworshweski, Cholmski und Toropezki Landkreise betrieben. Allein am Pskower See betrieben den  Fischfang  bis 7 Tausend Familien aus 88 Dörfern.  Gefangen wurde der kleine Stint, der größer und leckerer als irgendwo war.  Die  jährliche  Ausfuhr von Stint betrug 200 000 Pud (etwa  3,3 Tsd. Tonnen).

Durch die Eröffnung der Eisenbahnverbindung bekam das Gouvernement ein wesentliches Vorteil unter anderen Gegenden.  Als eine der ersten wurde  im Jahre 1859 die Eisenbahnstation in Pskow eröffnet, die die Verbindung des Gouvernements zur Hauptstadt herstellte.   Im Jahre 1889 wurde die Eisenbahnlinie zwischen Pskow und Riga eröffnet, und im Jahre 1897 zwischen Pskow und Bologoje. Pskow wurde zu einem großen Eisenbahnknoten, das Gouvernement erhielt einen großen Ansporn zur Wirtschaftsförderung.

  Pskow war die Stadt, wo die die russische Zarendynastie  Romanow zu Ende war.   In der Nacht vom 2. auf den  3. März 1917 unterschrieb der Zar Nikolai der Zweite das Telegramm an  das Hauptquartier der Armee, das später als Abdankungsurkunde benannt wurde.  An das Gebäude des Pskower Bahnhofs wurde im Jahre 1997  eine Gedenktafel angebracht.

Im 19. Jahrhundert wurde das Pskower Land zur Wiege der russischer Kultur.  Der erste russische  Historiker Wassili N. Tatischtschjew verbrachte in Pskow seine Kinderjahre, hier weilte der Landwirt und Memoirenschreiber  Andrei T. Bolotow.  Alexander S. Puschkin bezeichnete das  Landgut  Michailowskoje als sein „Arbeitskabinett“.    Im Pskower Land wurden musikalische Meisterwerke von Modest P. Mussorgski und Nikolai A. Rimski-Korssakow geschaffen. In Welikije Luki lebte am Ende des 19. Jahrhunderts der große Literaturschaffende und Symbolist Fjodor K. Sologub.

Pskow im 20. Jahrhundert

Im Ersten Weltkrieg 1914-1918  befand sich in Pskow das Hauptquartier der Nordfront.  Am 2. März 1917 danke Nikolai der Zweite ab.  Am 1. November  1917 wurde in der Stadt die Sowjetmacht errichtet.  Im Jahre 1918 wurde Pskow von deutschen Truppen besetzt, die Besatzung dauerte 9 Monate. Pskow nach der Revolution unterschied sich nicht besonders sehr von den Nachbargegenden, bis auf die Tatsache, dass die religiösen Bauten in Pskow nicht in Maßen abgerissen wurden.

Im Großen Vaterländischen Krieg wurde Pskow durch deutsche Truppen vom 9. Juli 1941 bis 23. Juli 1944 besetzt und während der Kriegshandlungen sehr gelitten. In der Oblast war die Partisanenbewegung aktiv.  Bedingt durch die Antipartisanenmaßnahmen der deutschen Besatzungstruppen waren nach Aussagen der Zeitzeugen die Kuppeln der Dreieinigkeitskathedrale in der Entfernung von 20 bis 30 km zu sehen, die Wälder in der Umgebung waren ausgeholzt, die Bauten in der Stadt waren stark gelitten, meistens  zerstört oder abgerissen. Für die Heldentaten der Pskower wurde Pskow der Titel der Stadt des militärischen Ruhms verliehen. 

Beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurde die Stadtmitte von Pskow in einem größeren Maßstab  umgeplant,  neue  Häuser an seinem Rande passten zunächst der historischen Umgebung. In den letzten Jahrzehnten umringt sich Pskow mit Standardwohnkomplexen. Durch das Abreißen der alten, nicht historischen Bauten wird das Gelände der Stadtmitte zu mehreren Parkanlagen.  

Das heutige Pskow ist ein Museum im Freien.  Die wertvollste historische und kulturelle Erbe weckt ein großes Interesse bei Bürgern und Gästen der Stadt.  Zur Touristikbranche gehören eine Reihe  von Hotels, zahlreiche Restaurants und Cafés, viele touristische Objekte, Freizeitgestaltungs- und Vergnügungsstätten.  Die Reisefirmen nehmen jährlich ein paar Zehntausende von Touristen auf.